Umnutzung und Sanierung denkmalgeschützter Infanterieschießschule: Mannschaftsgebäude

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Ort :Zossen OT Wünsdorf
Bauherr :Baltic Memorial KG
Planung :Cubus
Leistungszeit :2017 - pres.
Statik :Dirk Grabow
BGF :6101 m²
Leistungen :Entwurfsplanung, Genehmigungsplanung, Ausführungsplanung, Ausschreibung und Vergabe, Bauüberwachung

Historischer Hintergrund

Ab 1910 entstanden in Wünsdorf zahlreiche Kasernenanlagen: 1912 das Fernsprech- und Telegrafenamt und 1913 die Infanterieschule. Als Wünsdorf Hauptquartier der Reichswehr wurde, folgten die kaiserliche Turnanstalt (Haus der Offiziere) und weitere Kasernenbauten, ein Lazarett und Pferdeställe. Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 entwickelte sich Wünsdorf zu einem Zentrum der schnellen Truppen mit der Erweiterung der Militäranlagen, z.B. mit einer Badeanstalt und Militärsportanlagen, die 1936 als Trainingslager für die Olympischen Spiele genutzt wurden. Nach den ersten Bombardierungen 1945 erfolgte der Einmarsch sowjetischer Truppen und Wünsdorf wurde Sitz des Oberkommandos mit 30.000 sowjetischen Soldaten. Der Abzug der Truppen erfolgte 1994. Sie hinterließen eine für lange Zeit menschenleere Garnisonsstadt von 260 Hektar, aus der bereits 98.300 Stück Kampfmittel entsorgt wurden.

Der Haupteingang der Infanterischießschule erfolgte ursprünglich im Westen durch die Mittelachse und gewährte einen symmetrischen Ausblick auf das Ensemble. Im Zentrum stehen zwei identische Mannschaftshäuser, die ein dazwischen liegendes Wirtschaftsgebäude flankieren. Die westliche Freifläche diente als Exerzierplatz. Die östliche Begrenzung des Ensembles wurde zu Kaiserzeiten als Pferdestall genutzt, mit Einführung von Kraftfahrzeugen als Lager und für Werkstätten.

Wohnen im Denkmal

Die Entwicklung des 8 Hektar großen Areals umfasst die Strukturierung der Straßen-, Wege- und Grünflächen, sowie die Sanierung der 20 Gebäude, von denen sechs unter Denkmalschutz stehen. Ziel ist, die Gebäude mit erhaltenswerter Bausubstanz vor dem Zerfall zu sichern und nach Jahren der Verwahrlosung wieder hervorzuheben. Durch die Umnutzung in ca. 180 Wohnungen wird das Gebiet außerdem wiederbelebt. Wichtig ist, dass das Ensemble als Gesamtbild erhalten bleibt und dass das Denkmal sowohl für BewohnerInnen als auch für BesucherInnen weiterhin erlebbar wird.

Das Grundstück wird in ruhige Bereiche (östlich) und belebte Bereiche (westliche) aufgegliedert. Der großzügige Außenraum wird in Teilen wieder entsiegelt und bietet den AnwohnerInnen Naturerholung vor der Haustür mit Gärten, Sportmöglichkeiten, Spielplätze. Zusätzlich geplante Kleingärten schaffen individuelle Rückzugsbereiche im Grünen.

Die historischen Grundrisse sollen weitestgehend erhalten bleiben, um nur behutsame Eingriffe in die Gebäudestruktur zu tätigen. Zur ausreichenden Belichtung der Räume werden ehemalige Erschließungsräume in die Wohnungen intergiert. Durch die vier Treppenhäuser kann die Erschließung der einzelnen Wohnungen unmittelbar geschehen. Die fünf Wohnungen im Zentrum des Gebäudes lassen sich über den Aufzug erreichen und können so barrierefrei ausgeführt werden. Jede Wohnung erhält einen großzügigen Balkon.